VERORTUNG

- Bildung und soziale Ungleichheit unter besonderer Berücksichtigung von Geschlecht und Herkunft

Neben dem erschwerten Zugang zu formaler Bildung spielen die Gesellschafts- und Familienformen, in denen jungen Frauen aufwachsen und leben, eine essentielle Rolle. So stellte Han (vgl. 2004, S. 19) in seiner empirischen Untersuchung zur weiblichen Migration fest, dass ein erheblicher Anteil der in westliche Industrieländer einwandernden Mädchen und Frauen aus Ländern stammt, in denen die Gleichstellung zwischen Mann und Frau aufgrund patriarchaler Strukturen nicht gegeben ist. Der Ausgang der Frauenmigration sind zunehmend unterentwickelte Länder der Dritten Welt, in denen die kulturellen Normen durch männliche Dominanz geprägt sind. Insofern beeinflussen Traditionen und familiäre Hintergründe die Art und Weise, wie Mädchen (und natürlich auch Jungen) ihren Bildungsweg erleben, erheblich. 

Diesen Ergebnissen folgend greift es somit zu kurz, ausschließlich formalisierten und damit staatlichen Bildungseinrichtungen, wie die Schule oder Hochschule, zur Verantwortung für Bildungsungleichheit zu ziehen, obschon sich (Chancen-)Ungleichheit, die beispielsweise in Form der Ausprägung des kulturellen Kapitals in einem familiären Milieu angelegt ist, gerade dort nach Pierre Bourdieu (vgl. 1998) weiter konserviert und reproduziert wird. Bildung und damit auch ungleichheitsfördernde Mechanismen vollziehen sich in einem erheblichen Ausmaß außerhalb schulischer wie hochschulischer Kontexte in der je eigenen Umgebung (Familie, Massenmedien, Peer-Groups, Job, Nachbarschaften etc.). Exemplarisch hierfür können ein eingeschränkter Zugang zu Kulturgütern (z.B. Leseverbote für bestimmte literarische Werke) oder aber auch fehlende Mittel für die Finanzierung der Teilnahme an außerschulischen Bildungsprogrammen (z.B. Sprachkurse, Musikunterricht, Nachhilfe, Leistungskurse) angeführt werden. Bildung wie ungleichheitsfördernde Mechanismen wirken daher nicht nur in formalen Bildungseinrichtungen (formale Bildung), sondern auch in außerschulischen Kontexten bzw. Lernwelten, die im Gegensatz zur Bildung in schulischen und hochschulischen Kontexten weniger bis kaum strukturiert sind (non-formale Bildung) oder nicht durch Dritte organisiert werden und damit an keinem vorgegebenen Ort stattfinden (informelle Bildung). Aus diesen Gründen wird für vorliegende Kampagne von (non-)formaler und informeller Bildung gesprochen, um ungleichheitsfördernde Faktoren auch außerhalb von Schule und Hochschule sichtbar und damit diskutierbar machen zu können.

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